Ladeinfrastruktur und Stromversorgung für die kommende Elektromobilität

 

1. Antrag

Antrag der AfD Stadtverordnetenfraktion für die
Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Energie und Sauberkeit am 23. Januar 2018

 

Begründung:

Mit einer Kaufprämie von bis zu 2.000 € für Elektroautos will die Bundesregierung der Elektromobilität zum Durchbruch verhelfen, um bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf deutsche Straßen zu bringen. Der Verband der Automobilhersteller rechnet damit, dass bereits 2025 15 bis 25% der Neuzulassungen Elektrofahrzeuge sein werden. Auch für die Landeshauptstadt Wiesbaden ist in naher Zukunft mit einer Zunahme der hier zugelassenen und auf dem Stadtgebiet mit Energie zu versorgenden Elektroautos zu rechnen.

In Deutschland sind derzeit rund 100.000 reine Batteriefahrzeuge und Plug-In-Hybride zugelassen, die zu 85% auf einem Privatgelände, d. h. in der eigenen Garage, aufgeladen werden. Die angestrebte Ausweitung der Elektromobilität kann aber zu Engpässen im Verteilernetz führen, denn zu Peak-Zeiten (18 – 19 Uhr) sind die meisten Versorgungstransformatoren schon heute an ihrer Auslastungsgrenze. Auch die Strommenge, die Erdkabel zu den Haushalten transportieren können, ist begrenzt. Auf eine deutlich höhere Zahl von Elektroautos mit einer Ladeleistung von bis zu 120 Kilowatt ist das Niederspannungsnetz in der Regel nicht vorbereitet.

 

Antrag:

Der Ausschuss für Umwelt, Energie und Sauberkeit wolle beschließen:

Der Magistrat wird gebeten, in Zusammenarbeit mit ESWE Versorgung bzw. SW Netz zu berichten:

 

 1. Inwieweit liegen Erkenntnisse darüber vor, welche Stromtransformatoren bereits heute an der Auslastungsgrenze arbeiten?

 2. Wie viele Stromtransformatoren wurden in den letzten 20 Jahren aufgrund des stetig fallenden Stromverbrauchs wieder abgebaut?

 3. Inwieweit sind die Erdkabel in dünn besiedelten Stadteilen (z.B. Kloppenheim, Igstadt) auf eine deutliche Zunahme der benötigten Strommenge durch Elektrofahrzeuge ausgelegt?

 4. Verfügt ESWE Versorgung oder die anderen Netzbetreiber über eine visuelle Darstellung der Standorte der Transformatoren mit deren aktuellem Auslastungsniveau auf dem Stadtgebiet der Landeshauptstadt Wiesbaden?

 5. Wie wird im Rahmen der Verkehrsüberwachung überprüft, dass an den bislang 16 öffentlich zugänglichen Ladestationen tatsächlich nur Elektrofahrzeuge stehen, und diese nicht etwa durch andere Fahrzeuge blockiert werden?

 6. Wie viele Anträge auf private Ladestationen zum Betrieb von Elektroautos wurden bislang gestellt und genehmigt?

 7. Welche Pläne bestehen seitens der Landeshauptstadt Wiesbaden bzw. der Versorgungsunternehmen, um die private Stromversorgung für E-Autos zu gewährleisten, ohne dass dabei Probleme bei der Bereitstellung von Strom für die Haushalte und Firmen entstehen?

 

2. Rede

Dr. Klaus-Dieter Lork

Sehr geehrter Herr Vorsitzender,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren,

Die Stadt Wiesbaden will ja bekanntlich Vorreiter bei einem emissionsfreien ÖPNV sein. Das ist ja in der Kurstadt alleine aufgrund der schlechten Messwerte bei Feinstaub und Stickoxide sinnvoll. Aber nur den ÖPNV umzurüsten reicht nicht, denn die meisten Schadstoffe werden durch den Individualverkehr verursacht, das heißt, man muss zwingend auch bei den PKWs ansetzen.

Schritt für Schritt umzustellen auf die E-Mobilität ist da ein sehr guter Ansatz. Allerdings darf man dabei nicht den zweiten Schritt vor dem ersten machen, denn was nützen die besten Elektrofahrzeuge, wenn man sie nicht „betanken“, also die Batterien nicht jederzeit aufladen kann. Wer kauft schon Elektrofahrzeuge, wenn es keine Infrastruktur für die Energieversorgung gibt. Oder anders ausgedrückt: Es ist das alte Henne-Ei-Problem

Wür­den heu­te vie­le Tau­sen­de E-Au­tos ge­kauft und kä­men zum Ein­satz, wür­de das Strom­netz bei der ho­hen Be­las­tung kol­la­bie­ren. Das Stromnetz wurde in den letzten Jahre heruntergefahren, weil der Strombedarf gesunken ist. Jetzt muss es nicht nur auf den alten Stand gebracht, sondern kräftig ausgebaut werden.

Unser Antrag war bereits eingereicht, als gestern nun zufällig ein Artikel in der FAZ zu diesem Thema erschien. Was dort geschildert wird, ist gut auf Wiesbaden übertragbar. Dort heißt es, dass der Frankfurter Energieversorger Mainova 46 öffentliche Ladesäulen eingerichtet hat. In Wiesbaden gibt es 18 Ladesäulen. In beiden Städten gibt es aber bisher noch keine Engpässe – wegen der noch geringen Zahl an Elektrofahrzeugen.

Weiterhin heißt es in dem Artikel „So­wohl die Lan­des­re­gie­rung in Wies­ba­den wie auch die Stadt­re­gie­run­gen in Frank­furt und Darm­stadt ha­ben sich den­noch den Aus­bau der Elek­tro­mo­bi­li­tät zum Ziel ge­setzt. Ins­ge­samt stellt die Lan­des­re­gie­rung in die­sem Jahr da­für knapp sie­ben Mil­lio­nen Eu­ro zur Ver­fü­gung“. Und weiter: „Mit einer halben Million Euro hat das Wirtschaftsministerium im März vergangenen Jahres beispielsweise die Installation von 100 Ladesäulen mit 200 Ladepunkten in Südhessen gefördert.“

Ob und falls ja welchen Anteil Wiesbaden möglicherweise an diesen Fördergeldern bereits erhalten hat, wird in dem Artikel nicht gesagt. Dies wäre aber interessant zu wissen.

Fazit: Der Ausbau der E-Mobilität muss nicht von der Stadt Wiesbaden alleine umgesetzt werden, gefragt sind hier neben den Stadtplanern auch die Energie- und Netzversorger. Aber die Stadt kann nicht darauf warten, dass sich alles von selbst regelt, sondern sie muss die Rahmenbedingungen setzen und den Ausbau forcieren. Sonst droht ihr, die Entwicklung zu verschlafen! Die Planungen dafür müssen jetzt in die We­ge ge­lei­tet wer­den

Vielen Dank.

 

 

3. Ergebnis

Der Antrag wurde mit Zustimmung der AfD-Fraktion auf die nächste Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Energie und Sauberkeit vertagt. Der zuständige Umweltdezernent Herr Kowol versprach, bis dahin die gewünschten Informationen auch ohne Beschluss des Ausschusses bis dahin zur Verfügung zu stellen.

 

4. Pressemitteilung der AfD-Fraktion

Eine Pressemitteilung erfolgte nicht.

 

5. (Online verfügbare) Pressereaktionen

Es gibt keine (online verfügbaren) Pressereaktionen.