Prüfung der Aufstellung von „City Trees“ zur Verbesserung der Luftqualität

 

1. Antrag

Antrag der AfD-Stadtverordnetenfraktion für die
Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Energie, Sauberkeit am 2. Mai 2017

Prüfung der Aufstellung von „City Trees“ zur Verbesserung der Luftqualität

Der Ausschuss für Umwelt, Energie, Sauberkeit wolle beschließen:

1. Der Magistrat wird beauftragt, zeitnah die grundsätzliche Möglichkeit der Aufstellung einer moosbestückten Wand „City Tree“ in Wiesbaden im Rahmen eines Pilotprojektes zu prüfen.

2. Der Magistrat wird beauftragt, explizit folgende Aspekte zu prüfen:
– Schadstoffsättigungspunkt der verwendeten Mooskultur „Pseudoscleropodium purum“,
– Radius der Filterfunktion der Mooskultur,
– Ersatzmöglichkeit von 275 Bäumen (Referenzbaum 40 Jahre alte Robinie) pro „City Tree“,
– Blattflächenindex und Fangvermögen der verwendeten Mooskultur,
– Vorteile der ganzjährigen Vegetationsphase der Mooskultur,
– Vorteilhaftigkeit der Partikelkonzentration eines „City Trees“
   in einer Auffanghöhe von null bis vier Metern sowie
– Berücksichtigung der Luftaustauschrate bei unterschiedlichen
   Windgeschwindigkeiten in Wiesbaden.

3. Der Magistrat wird beauftragt, die geeignetsten durch Luftverschmutzung, hier insbesondere Feinstaub, belastetsten Knotenpunkte der Landeshauptstadt Wiesbaden für die Aufstellung eines „City Trees“ im Rahmen des Pilotprojektes zu ermitteln.

4. Der Magistrat wird beauftragt zu prüfen, ob das Konzept der „City Trees“ eine geeignete Ergänzung zum 34-Punkte Maßnahmenkatalog von Herrn Umweltdezernent Andreas Kowol zur Abweisung der Klage durch den Verkehrsclub Deutschland (VCD) ist.

5. Der Magistrat wird beauftragt, die Möglichkeit der Kostenreduzierung des „ City Trees“ für die Stadt Wiesbaden durch Sponsoring des Pilotprojektes durch interessierte Dritte zu prüfen.

 

2. Begründungsrede

Dr. Klaus-Dieter Lork

Stadtverordneter Dr. Klaus-Dieter Lork

Sehr geehrter Herr Vorsitzender,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren,

Wiesbaden gehört zu den deutschen Städten mit besonders schlechter Luftqualität. Die Kurstadt ist gerade dabei die vorgegebenen Grenzwerte bei Stickstoffdioxid (NO2) von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter (40ug/m³) und bei Feinstaub (PM10) von 40 µg/m³ an den 35 erlaubten Tagen im Jahr mit knapp 50 µg/m³ Feinstaub (PM10) sehr deutlich zu überschreiten.

So gab es im Zeitraum vom 1. Januar bis zum 20. April 2017 an den drei Messstationen in Wiesbaden, im Einzelnen „Wiesbaden-Ringkirche“, „Wiesbaden-Schiersteiner Straße“ und „Wiesbaden-Süd“, zahlreiche Grenz-wertüberschreitungen.

Werfen Sie mir bitte keinen Pessimismus vor, aber die Chancen auf Einhaltung der Normvorgaben in der Landeshauptstadt sind auch in Zukunft nur sehr schwer zu erreichen.

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) hat das Land Hessen im Jahr 2015 verklagt, den für Wiesbaden geltenden Luftreinhalteplan so zu ändern, dass mit den dort verankerten Maßnahmen der Grenzwert von 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter nicht überschritten wird. Doch außer der bereits vor der Klage im Jahr 2013 erfolgten Einführung der Umweltzone ist praktisch seit der Einreichung der Klage 2015 nichts passiert.

Zudem hat die so genannte „Kenia“-Kooperation in ihrer Kooperations-vereinbarung festgelegt, die Erweiterung der Umweltzone ernsthaft zu prüfen.

Ich gebe zu bedenken, dass die Landeshauptstadt Wiesbaden ein wichtiges verkehrstechnisches Bindeglied ist und somit viele Straßen unabdingbare Durchfahrzonen sind. Das heißt, dass einer Erweiterung der Umweltzone bestimmte Grenzen gesetzt sind.

Wie die von mir eben erwähnten Grenzwertüberschreitungen zeigen, sind Umweltzonen leider nicht ausreichend, um solche Überschreitungen zu verhindern.

Und an dieser Stelle bringe ich den sogenannten City Tree ins Spiel.

Beim City Tree handelt es sich um ein effizientes und innovatives Produkt eines seriösen jungen deutschen Unternehmens. Der City Tree ist eine mit Spezialmoos bedeckte von Aluminium umrandete Fläche von circa drei mal vier Metern, welche laut dem Hersteller die Filterfunktion von 275 Bäumen ersetzt.

Stellen Sie sich das bitte bildlich vor, 275 Bäume sind praktisch zweieinhalb Fußballfelder. Als Referenzbaum dient dabei eine vierzig Jahre alte Robinie mit 250 Quadratmeter (m²) Kronenfläche und einem Blattflächenindex von 1,5. Die verwendete Mooskultur verstoffwechselt den Feinstaub durch ihre größere Blattoberfläche erheblich besser als Bäume, wodurch sich ein vorteilhaftes Feinstaubfangvermögen der Mooskultur ergibt.

Hinzu kommt, dass die Filterfunktion nicht durch die Vegetationszeit beeinträchtigt wird. Bemerkenswert ist ebenso, dass die Schadstoff-konzentration an Feinstaub und Stickstoffdioxid (NO2) in der Höhe von null bis vier Metern zu hundert Prozent durch einen City Tree aufgegriffen werden kann. Ein Baum ist erst ab einer Höhe von vier bis zehn Metern dazu fähig, Feinstaub und andere Schadstoffe abzufangen.

Der neue Wiesbadener Umweltdezernent Herr Kowol, hat kürzlich erst einen 34-Punkte Maßnahmenkatalog vorgeschlagen, um die monierten Grenzwertüberschreitungen in Zukunft zu verhindern.

Auch wenn die Stärke des City Trees im Entfernen von Feinstaub liegt, kann dieser aber auch den Stickstoffdioxidgehalt (NO2) in der Luft reduzieren. Der Hersteller gibt hier eine Rate von 85g pro Tag an. Wir regen deswegen an, die Aufstellung von City Trees als Punkt Nummer 35 in den Maßnahmenkatalog aufzunehmen.

Aber selbst wenn die Prüfung durch den Magistrat zum Ergebnis kommen sollte, dass City Trees nicht für diesen Maßnahmenkatalog geeignet sind, so sind sie immer noch sehr sinnvoll, um die Luftqualität an neuralgischen Stellen in der Stadt nachhaltig zu verbessern.

Den Entwicklern bescherte der City Tree bisher bereits zahlreiche Ehrungen und Förderpreise. Weltweit haben aktuell etliche Städte und Metropolen den City Tree als Pilotprojekt im ernsthaften Einsatz. So stehen City Trees nicht nur in über zehn deutschen Städten, sondern zum Beispiel auch in Oslo, Skopje, Paris und Hong Kong.

Das Tropos Institut in Leipzig, die Technische Universität Dresden und das Fiatec Institut in Mainleus, welche die Filterleistungstests durchgeführt haben, belegen wissenschaftlich fundiert, die Effizienz und Validität des City Trees. Zuletzt führte diese hohe Anerkennung zu einem groß angelegten Projekt in Modena in Italien, welches von der Europäischen Union (EU) gefördert wird.

Kommen wir zu den Kosten. Den City Tree gibt in unterschiedlichen Ausführungen. Zum Beispiel werden Solarpanels oder Sensoren zur Messung der Luftsauberkeit angeboten. Welche Variante wir hier in Wiesbaden wählen, haben wir selber in der Hand. Das Standardmodell des City Trees, welches über eine beidseitige Sitzbank verfügt, kostet in der Anschaffung etwa 26.000 Euro.

Dieser Betrag kann sogar noch reduziert werden, wenn es gelingt einen Sponsor zu finden, der einen kleineren Teil des City Trees als dezente Werbefläche nutzt. Der von uns fotografierte City Tree in Essen wird zum Beispiel finanzkräftig durch die Deutsche Bahn gefördert.

Als Aufstellungsort für Wiesbaden stelle ich mir Knotenpunkte mit viel Publikumsverkehr vor, um dort die Luft- und Aufenthaltsqualität zu verbessern. Sie können mir glauben, 275 Bäume an einem Standort wären mir auch lieber.

Aber wir können ja beispielsweise aus dem Bahnhofsvorplatz keinen Wald machen.

Aus den eben in meiner Rede aufgeführten Gründen bitte ich Sie deshalb um Zustimmung für den Antrag der AfD Rathausfraktion Wiesbaden auf Prüfung der Aufstellung von City Trees zur Verbesserung der Luftqualität durch den Magistrat.

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit!

 

3. Ergebnis

 Am Ende wurde mit einer Mehrheit von SPD, CDU und GRÜNEN entschieden, den AfD-Antrag auf Wiedervorlage im Ausschuss für Mitte 2018 zu setzen. Der Wiesbadener Magistrat wird von der Stadt Stuttgart bis dahin die Ergebnisse eines City Tree-Pilotprojekts anfordern und an den Ausschuss weiterleiten.

 

4. Pressemitteilung der AfD-Fraktion

Pressemitteilung AfD-Rathausfraktion Wiesbaden Nr. 7 / 2017

„Kenia“-Kooperation schiebt AfD-Antrag zu innovativen „City Tree“ auf die lange Bank

Kommt der Antrag von der falschen Fraktion? Mag Umweltdezernent Andreas Kowol keine Start-up-Unternehmen?

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City Tree in Essen

Wiesbaden (3. Mai 2017). In der gestrigen Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Energie und Sauberkeit wurde fast eine Dreiviertelstunde lang ausführlich über den Antrag der AfD Rathausfraktion zur Durchführung eines Pilotprojektes zu den innovativen City Trees diskutiert.

Am Ende wurde mit einer Mehrheit von SPD, CDU und GRÜNEN entschieden, den AfD-Antrag auf Wiedervorlage im Ausschuss für Mitte 2018 zu setzen. Der Wiesbadener Magistrat wird von der Stadt Stuttgart bis dahin die Ergebnisse eines City Tree-Pilotprojekts anfordern und an den Ausschuss weiterleiten.

Der fachpolitische Sprecher der AfD für Umwelt, Dr. Klaus-Dieter Lork, wies mehrfach darauf hin, dass das anlaufende Pilotprojekt in Stuttgart mit dem von der AfD geplanten Pilotprojekt in Wiesbaden gar nicht vergleichbar sei.

Unterstützung erhielt er von der FDP. Lucas Schwalbach meinte, sein Bauchgefühl sage ihm, dass der gute und nicht ideologische Antrag weggewischt würde, weil er von der AfD käme.

Lork erläuterte in seiner Begründungsrede, dass ein City Tree, eine mit Spezialmoos bedeckte und von Aluminium umrandete Fläche von circa drei mal vier Metern, die Filterfunktion von 275 Bäumen ersetzt.

Als Aufstellungsorte für Wiesbaden stellt sich Lork Knotenpunkte mit viel Publikumsverkehr vor, um dort die Luft- und Aufenthaltsqualität zu verbessern. Er beteuerte: „Sie können mir glauben, 275 Bäume an einem Standort wären mir auch lieber. Aber wir können ja beispielsweise aus dem Bahnhofsvorplatz keinen Wald machen.“

Für Lork ist der City Tree eine hervorragende Möglichkeit, Luftreinhaltung sichtbar zu machen und dem Bürger greifbar zu vermitteln. „Der City Tree ist ein Stück Umweltschutz und Luftreinigung zum Anfassen.“

Den Start-up-Entwicklern bescherte der City Tree bisher bereits zahlreiche Ehrungen und Förderpreise. Weltweit haben aktuell etliche Städte und Metropolen den City Tree als Pilotprojekt im Einsatz. So stehen City Trees nicht nur in über zehn deutschen Städten, sondern zum Beispiel auch in Oslo, Skopje, Paris und Hong Kong.

Der neue Umweltdezernent Andreas Kowol äußerte sich zurückhaltend: „Allerdings muss ich immer wieder darauf hinweisen, dass wir hier nicht dazu da sind, Start-up-Unternehmen zu fördern und deren innovative Ideen in das Stadtbild hineinzutragen.“

Das weckte Widerspruch, nicht nur bei Klaus-Dieter Lork, Der FDP-Stadtverordnete Sebastian Rutten erklärte: „Und wenn ich dann höre, dass es nicht Aufgabe der Stadt sei, junge Start-up-Unternehmen zu fördern, dann wird mir um den Wirtschaftsstandort Wiesbaden Angst und Bange.“

Sein Kollege Lucas Schwalbach ergänzte: „Es ist ein Offenbarungseid der Verwaltung, wenn sie sagt, Innovation, innovative Ideen und Start-ups möchte sie nicht in Wiesbaden fördern. Und dann finde ich das äußerst bedenklich, wenn wir das gerade im Umweltbereich haben.“

Vom Ausschussvorsitzenden Ronny Maritzen gefragt, „warum haben Sie den Antrag nicht vor einem halben Jahr schon eingebracht?“ erwiderte der FDP Stadtverordnete Schwalbach: „Weil es manchmal auch andere gibt, die gute Ideen haben.“

Klaus-Dieter Lork fragte zum Ende der Debatte: „Wie wäre über den Antrag wohl entschieden worden, wenn die gute Idee nicht von der AfD, sondern von der „Kenia“-Kooperation gekommen wäre.“

 

5. (Online verfügbare) Pressereaktionen

04.05.2017

Merkurist

Kann dieser Aufsteller für bessere Luft sorgen?

Mit sogenannten „City Trees“ will die AfD-Rathausfraktion die Wiesbadener Luft verbessern. Doch was steckt hinter diesen Bäumen – und warum hat der Umweltausschuss den Vorschlag auf die lange Bank geschoben? weiterlesen…